Prophylaxe und Therapie pathologischer Narben

Um bei der Narbenbehandlung medizinisch und ästhetisch zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen, sollte so früh wie möglich mit der Prophylaxe begonnen werden. Diese setzt bereits bei schonenden Operationstechniken an und erfordert bei der anschließenden Behandlung Geduld sowie eine gute Adhärenz. Spezielle Narbentopika können die Wundheilung unterstützen und die Narbenbildung reduzieren. Eine kürzlich veröffentlichte tierexperimentelle Studie bestätigt, dass die Wirkstoffkombination von Contractubex, bestehend aus Zwiebelextrakt (Extractum Cepae), Heparin und Allantoin, die Bildung von übermäßigem Narbengewebe hemmt, indem sowohl die Expression von Wachstumsfaktoren als auch die Synthese von extrazellulärer Matrix reduziert werden.

Dr. Dirk-J. Danneberg, Darmstadt, und Dr. Gerd G. Gauglitz, München, widmeten sich diesen Themen auf der 23. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie in München. In der aktuellen Leitlinie zur Therapie pathologischer Narben der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft wird der mögliche Nutzen von Zwiebelextrakt enthaltenden Externa bei der Prophylaxe und in der Kombination mit anderen therapeutischen Verfahren ausführlich dargestellt.

Bildung hypertropher Narben vermeiden

Größere Narben entstehen häufig durch chirurgische Eingriffe. Bereits während der Operation kann das Risiko der Bildung pathologischer Narben durch eine Schnittführung entlang der Spaltlinien der Haut verringert werden. Beim Verschluss der Operationswunde minimieren geeignete Nahttechniken, Nahtmaterialien und das Vermeiden von Zug, Druck und Dehnung an der Wunde die Bildung hypertropher Narben. „Überschießende Narben können Schmerzen, Juckreiz und sogar Kontrakturen verursachen und so die Lebensqualität der Patienten physisch und psychisch beeinträchtigen“, erklärt Dr. med. Gerd Gauglitz. Daher ist eine effiziente und zufriedenstellende Narbenbehandlung insbesondere bei bestehenden Risikofaktoren für eine pathologische Narbenbildung angezeigt, erfordert jedoch Ausdauer und eine gute Therapietreue.

Narbenprophylaxe

Eine sorgfältige Narbenprophylaxe kann sich positiv auf das Aussehen der Narbe auswirken. Je früher das Narbengewebe behandelt wird, desto größer ist die Chance, dass sich die Haut (nahezu) vollständig regenerieren kann. Sobald sich die Wunde geschlossen hat oder die Fäden nach einer Operation gezogen wurden, kann mit der Narbenbehandlung begonnen werden. Eine regelmäßige und dauerhafte Anwendung ist dabei von großer Bedeutung.

Bei einer frischen Narbe gilt es, Folgendes zu beachten:

  • Sie sollte vor äußeren Reizungen und vor Austrocknung geschützt werden
  • Eine Dehnung des Narbengewebes ist zu vermeiden, um breiten Narben vorzubeugen. Deshalb ist Vorsicht z. B. beim Sport oder schwerem Heben geboten
  • Frische Narben sollten mindestens ein halbes Jahr keinen starken Temperaturreizen ausgesetzt werden. Intensive Sonnen- oder UV-Strahlung, Solarium, Sauna oder aber extreme Kälte können das empfindliche neue Gewebe bei der Narbenbildung negativ beeinflussen und die Regeneration des Gewebes stören. Zudem können sich Farbe und Beschaffenheit der Haut ändern. Beim Sonnenbaden empfiehlt sich deshalb ein UV-Schutz mit Lichtschutzfaktor 50+ im Narbenbereich
  • Enge oder scheuernde Kleidung können das empfindliche Narbengewebe reizen oder verletzen
  • Vor allem Narben, die nahe am Knochen liegen, zum Beispiel am Ellenbogen, Schienbein oder am Fußknöchel sollten geschont werden, damit sie nicht erneut verletzt werden. Dadurch würden sich die Heilungschancen verschlechtern, da sich die erneut geschädigte Haut schlechter regeneriert
  • Effekt der Wirkstoffkombination aus Extractum Cepae, Heparin und Allantoin auf die Wundheilung

    Die Wundheilung besteht aus drei sich überlappenden Phasen: Entzündungs-, Zellproliferations- und Regenerationsphase. Bei übermäßiger Narbenbildung laufen die ersten beiden Phasen verstärkt und die Regenerationsphase vermindert ab. Das nach Wundschluss angewendete topische Narbenspezifikum Contractubex enthält Zwiebelextrakt, Heparin und Allantoin. Diese Wirkstoffe verstärken und ergänzen sich gegenseitig: Zwiebelextrakt wirkt antiproliferativ und entzündungshemmend. Zudem weist es bakterizide und regenerationsfördernde Eigenschaften auf. Heparin wirkt ebenfalls entzündungshemmend und lockert die Kollagenstruktur auf. Allantoin fördert die Wundheilung, löst Verhornungen und mildert Juckreiz. Wie in einer kürzlich veröffentlichten tierexperimentellen Studie gezeigt werden konnte, hemmt Contractubex die vermehrte Bildung von Wachstumsfaktoren, wie TGF-ß 1 und -2, sowie die Bildung von Laminin und Fibronektin und verhindert damit eine erhöhte Kollagensynthese.

    Mit der Behandlung kann nach der vollständigen Epithelialisierung (Verschluss mit Oberhautgewebe) der Wunde begonnen werden. Eine regelmäßige Anwendung über mehrere Monate führt – auch langfristig betrachtet – zu einem signifikant besseren Ergebnis im Vergleich zu unbehandelten Narben.

    Ultrasound Scar Therapy zur Behandlung hypertropher Narben

    „Eine vorausschauende Narbenbehandlung beginnt direkt, nachdem die Fäden gezogen sind oder der Schorf abgefallen ist“, erläutert Dr. Dirk-J. Danneberg. Sehr gute Erfahrungen hat er mit der Kombination eines Zwiebelextrakt enthaltenden Narbengels und Sonophorese bei der Behandlung frischer und älterer Narben gemacht. In Verbindung mit therapeutischem Ultraschall gelangen die Wirkstoffe noch besser in das zu behandelnde Gewebe, außerdem wirken sich die Ultraschallwellen positiv auf die Kollagenausrichtung aus. Auch ältere Narben sprechen gut auf diese Behandlungsmethode an.


    Sechs Jahre alte Narbe


    Sechs Jahre alte Narbe nach fünfwöchiger Therapie mit Contractubex® in Kombination mit therapeutischem Ultraschall


    Narbenbehandlung mit Narbengel und Ultraschall

    Empfehlung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft

    Laut der neuen Leitlinie „Therapie pathologischer Narben“ der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft können Kombinationspräparate, die Zwiebelextrakt enthalten, sowohl zur postoperativen Narbenprophylaxe als auch als Zusatztherapie bei der Behandlung von aktiven hypertrophen Narben erwogen werden. Durch die postoperative Prophylaxe kann sowohl das Entstehen von Keloiden und hypertrophen Narben als auch das Auftreten von Rezidiven verhindert werden.